[Hormonelle Antiandrogene in der Aknebehandlung]

Hintergrund: Eine gesteigerte Talgdrüsenaktivität mit Produktion von proinflammatorischen Talglipiden gehört zu den wichtigsten pathogenetischen Faktoren der Akne. Eine hormonelle Antiandrogenbehandlung zielt auf die androgenmetabolisierenden Zellen der pilosebaceous unit, d. h. follikuläre Kertinozyten und Sebocyten, und führt zu einer Sebostase mit einer Verringerung der Sebumsekretionsrate um 12,5 bis 65 %. Hinsichtlich ihres Wirkmechanismus werden hormonelle Antiandrogene in Androgenrezeptorblocker, Inhibitoren zirkulierender Androgene durch Beeinflussung der Ovarialfunktion (orale Kontrazeptiva), Inhibitoren zirkulierender Androgene durch Beeinflussung der Hypophyse (Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten und Dopamin-Agonisten bei Hyperprolaktinämie), Inhibitoren der Nebennierenfunktion und Inhibitoren des peripheren Androgenstoffwechsels (5-Reduktase-Inhibitoren, Inhibitoren anderer Enzyme) unterteilt.

Methoden: In dieser Studie wurden alle Original- und Übersichtspublikationen zur hormonellen antiandrogenen Behandlung der Akne als Monotherapie oder in Kombination, die in den Bibliotheken MEDLINE, EMBASE und COCHRANE enthalten waren, unter Verwendung der Begriffe „acne“, „seborrhea“, „polycystic ovary syndrome“, „hyperandrog*“ und „treatment“ extrahiert und nach ihrem Evidenzgrad klassifiziert.

Ergebnisse: Eine antiandrogene Behandlung ist bei Akneläsionen insgesamt wirksam. Die Kombinationen von Ethinylestradiol mit Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat, Dienogest, Desogestrel und Drospirenon haben die stärkste Antiakne-Aktivität gezeigt. Gestagene oder Östrogene als Monotherapie, Spironolacton, Flutamid, Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten und Inhibitoren des peripheren Androgen-Metabolismus werden nach derzeitigem Kenntnisstand nicht empfohlen. Niedrig dosiertes Prednisolon soll nur bei spät einsetzender kongenitaler Nebennierenhyperplasie und Dopaminagonisten bei Hyperprolaktinämie verabreicht werden. Die Behandlung mit hormonellen Antiandrogenen setzt das Fehlen jeglicher Kontraindikationen voraus.

Schlussfolgerungen: Die Behandlung mit hormonellen Antiandrogenen ist auf Patientinnen beschränkt, die zusätzliche Anzeichen von peripherem Hyperandrogenismus oder Hyperandrogenämie aufweisen. Darüber hinaus können Frauen mit Akne tarda, persistierender, therapieresistenter Akne, bei gleichzeitigem Verhütungswunsch und als Voraussetzung für eine systemische Isotretinoin-Behandlung mit hormonellen Antiandrogenen behandelt werden. Eine hormonelle antiandrogene Behandlung ist keine primäre Monotherapie bei unkomplizierter Akne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.