Impulsive Compulsive Spectrum Disorders

Unter dem Begriff Impulsive Compulsive Spectrum Disorders (ICSDs) werden mehrere neuropsychiatrische Erkrankungen zusammengefasst, die durch unangemessene Verhaltensweisen gekennzeichnet sind, deren pathophysiologisches Kernsubstrat mit maladaptiven Impulsen und/oder einer Beeinträchtigung ihrer Kontrollmechanismen zusammenhängt. ICSDs, zu denen ADHS, Zwangsstörungen, das Tourette-Syndrom, Drogenabhängigkeit, Impulskontrollstörungen bei der Parkinson-Krankheit, Essstörungen oder pathologisches Glücksspiel gehören, stellen eine große Belastung für unsere Gesellschaft dar. Jede dieser ICSDs ist eine nosologische Entität, die durch spezifische klinische Konstrukte und Symptome gekennzeichnet ist und damit zeigt, dass sich eine maladaptive Impulskontrolle in einer Konstellation verschiedener abnormaler psychologischer und verhaltensbezogener Prozesse manifestieren kann.
Allerdings wird zunehmend davon ausgegangen, dass ICSDs verschiedene Verhaltensmanifestationen von sich überschneidenden zugrunde liegenden neuroverhaltensbezogenen Prozessen oder Endophänotypen darstellen, die lange Zeit als ein Kontinuum von Impulsivität bis Zwanghaftigkeit angesehen wurden. Über das Verständnis der vielfältigen Natur von Impulsivität und Zwanghaftigkeit hinaus haben jedoch neuere Entwicklungen sowohl auf psychologischer als auch auf neuronaler/zellulärer Ebene die Vorstellung in Frage gestellt, dass erstere, die durch die Neigung zu unüberlegten Reaktionen oder die Unfähigkeit, eine laufende Reaktion zu beenden, gekennzeichnet ist, und letztere, die durch wiederholtes, starres, maladaptives, perseveratives Verhalten gekennzeichnet ist, tatsächlich nicht überlappende Entitäten darstellen. In der Tat wird jede ICSD jetzt als eine Chimäre spezifischer Facetten von Impulsivität und Zwanghaftigkeit angesehen, deren zugrundeliegende neuronale Basis innerhalb der kortikostriatalen Schaltkreise sich teilweise überschneiden kann.
Eine Herausforderung für die derzeitige Forschung besteht darin, in den Bereich der personalisierten Medizin für ICSDs vorzudringen, die auf der Identifizierung und dem Verständnis der Art und Weise, wie verschiedene Facetten von Impulsivität und Zwanghaftigkeit bei der Ätiopathogenese und dem Schweregrad verschiedener ICSDs interagieren, auf psychologischer, verhaltensbezogener und neuronaler Ebene beruht und dadurch einen transnologischen neuropsykologischen Rahmen bietet, innerhalb dessen ihre Endophänotypen der Anfälligkeit identifiziert werden können.
Dieses Forschungsthema zielt darauf ab, einen aktuellen Stand des Fachgebiets zu bieten und internationale Experten aus der klinischen und präklinischen Forschung zu Impulsivität und Zwanghaftigkeit zusammenzubringen, um zu versuchen, die zentralen neuropsychologischen Prozesse von Impulskontrollstörungen im Rahmen eines translationalen Ansatzes zu beschreiben. Ein Schwerpunkt wird auf dem Übergang von Impulsivität zu Zwanghaftigkeit und dem Beitrag von negativer Verstärkung und maladaptiven Gewohnheiten zur Entwicklung von Zwangsstörungen liegen.

Wichtiger Hinweis: Alle Beiträge zu diesem Forschungsthema müssen in den Anwendungsbereich der Sektion und der Zeitschrift fallen, für die sie eingereicht werden, wie in den jeweiligen Aufgabenbeschreibungen definiert. Frontiers behält sich das Recht vor, ein Manuskript, das nicht in den Bereich fällt, in jeder Phase der Begutachtung an eine geeignetere Sektion oder Zeitschrift weiterzuleiten.

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