Sexologie. „Was ist es eigentlich, was Sie tun?“ Laura Anne Milosavljevic B S – Acta Med Int

SHORT COMMUNICATION

Jahr : 2015 | Band : 2 | Ausgabe : 1 | Seite : 174-176

Sexologie. „Was machen Sie eigentlich?“
BS Laura Anne Milosavljevic
Sexologie-Studentin, Abteilung für Sexologie, Curtin University of Technology, School of Public Health. Perth, Australia

Date of Web Publication 4-Jul-2017

Korrespondenzadresse:
B S Laura Anne Milosavljevic
88A Richmond Street, Leederville WA 6007
Australien

Quelle der Unterstützung: Keine, Interessenkonflikt: Keine

DOI: 10.5530/ami.2015.1.32

Abstract

Dieser Artikel beschreibt die Prinzipien und Praktiken der wissenschaftlichen Disziplin Sexologie. Ziel dieses Artikels ist es, dem Leser ein vertieftes Verständnis der Sexologie als akademische Disziplin sowie ihrer beruflichen Anwendung zu vermitteln. Sexologie ist definiert als das multidisziplinäre wissenschaftliche Studium der menschlichen Sexualität, aber nur wenige Menschen wissen genau, was ein Sexologe tut. Oft wird angenommen, dass es sich dabei ausschließlich um Sexualtherapie zur Behandlung sexueller Funktionsstörungen handelt, doch das Gebiet der Sexologie ist weitaus umfangreicher und umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Spezialisierungen. Die Sexologie deckt ein breites Spektrum an Theorie und Praxis ab, und Sexologen integrieren viele Methoden, Konzepte und Interventionen in ihre Arbeit. Durch Bildung, Forschung und Therapie können menschliche sexuelle Schwierigkeiten durch das Engagement und die Hingabe von Sexologen erfolgreich gelöst werden.

Schlüsselwörter: Sex, Sexologie, Sexualität

Wie wird dieser Artikel zitiert:
Laura Anne Milosavljevic B S. Sexologie. „Was ist es eigentlich, was Sie tun?“. Acta Med Int 2015;2:174-6

Wie man diese URL zitiert:
Laura Anne Milosavljevic B S. Sexology. „Was ist das eigentlich, was Sie tun?“. Acta Med Int 2015 ;2:174-6. Verfügbar unter: https://www.actamedicainternational.com/text.asp?2015/2/1/174/209443

Einleitung

Die menschliche Sexualität ist eine wahre Komplexität, so vielschichtig und facettenreich wie die menschliche Natur selbst, es gibt nur sehr wenige allgemeine Gemeinsamkeiten in der menschlichen Sexualität, vielmehr eine Vielzahl einzigartiger und unterschiedlicher Tendenzen. Sexologie ist mehr als nur die Erforschung des Geschlechtsverkehrs. Psychologische, kulturelle, spirituelle, soziale, politische und physische Dimensionen der Sexualität spielen in der Sexologie eine Rolle. Ein Sexologe ist eine Person, die über fortgeschrittene akademische Kenntnisse in der Sexualwissenschaft verfügt und sich dem objektiven, empirischen Studium der Sexualität verschrieben hat und zahlreiche akademische, wissenschaftliche Disziplinen und therapeutische Praktiken einsetzt, die medizinisch, psychotherapeutisch oder pädagogisch sein können. Die allgemeine Bevölkerung weiß nur wenig über die Rolle des Sexualwissenschaftlers außerhalb der Sexualtherapie, während der Beruf in Wirklichkeit äußerst vielseitig ist und ein breites Spektrum an Fachverfahren umfasst.

Diskussion

Der historische Ursprung der Sexologie geht auf die alten Griechen zurück, als Ärzte wie Hippokrates und die Philosophen Platon und Aristoteles umfangreiche Beobachtungen durchführten und die ersten ausgefeilten Theorien über sexuelle Reaktionen, Funktionsstörungen, Praktiken und Ethik aufstellten. In den 1800er Jahren veröffentlichte Richard Freiherr von Krafft-Ebing die Psychopathia Sexualis, die als Begründung der Sexualwissenschaft als wissenschaftliche Disziplin gilt. Weitere wichtige Vertreter der folgenden Epochen waren Sigmund Freud, Magnus Hirschfield und Havelock Ellis, der die sexuellen Tabus seiner Zeit in Frage stellte, indem er nachwies, dass Sex nicht nur eine Methode der Fortpflanzung, sondern auch eine Quelle des Vergnügens ist.
In den 1940er und 50er Jahren wurde die Sexologie durch die Arbeiten von Wissenschaftlern wie Alfred Kinsey, der 1947 das Institut für Sexualforschung gründete, wissenschaftlicher. Kinsey und seine Mitarbeiter sammelten über 18.000 Interviews und veröffentlichten 1948 das Buch Sexual Behavior in the Human Male und 1953 das Buch Sexual Behavior in the Human Female. In den Jahren 1966 und 1970 veröffentlichten Masters und Johnson ihre Werke Human Sexual Response bzw. Human Sexual Inadequacy. Das Masters and Johnson Institute wurde 1978 gegründet. Ihre mitunter umstrittenen Methoden wurden entsprechend überarbeitet und viele werden auch heute noch angewandt.
Heute ist die Sexologie der Begriff für das multidisziplinäre wissenschaftliche Studium der menschlichen Sexualität. In der akademischen Anwendung untersuchen Sexologen sexuelle Funktionen, Beziehungen, Verhaltensweisen, Geschlechterrollen, Aktivitäten, Entwicklung, sexuelle Gesundheit und vieles mehr. Sexualität ist ein weites Feld von Handlungen, Gedanken und Einstellungen, die häufig von gesellschaftlichen Werten und Erwartungen, Bildung, sozioökonomischem Status, Kultur, Religion, Gesetzen, Politik sowie den persönlichen Werten, der Moral und Ethik des Einzelnen beeinflusst werden. Das Studium der Sexualität verändert sich ständig und entwickelt sich zusammen mit den Werten der Gesellschaft in Bezug auf die Sexualität weiter, was es zu einer sehr fortschrittlichen und dynamischen Studienrichtung macht.
Als Beruf gibt es drei allgemeine Pfade, denen Sexologen in der Regel folgen: Forschung, Bildung und Therapie.
Sexologische Forschung ist für die kontinuierliche Erweiterung des Wissens über die menschliche Sexualität sowie für die Bewertung und Verbesserung von Sexualitätsprogrammen unerlässlich. Die Forschung kann sich auf viele Bereiche erstrecken und umfasst in der Regel Studien zu spezifischen menschlichen Sexualverhaltensweisen oder -störungen durch die Erhebung statistischer Daten, um spezielle Behandlungsmaßnahmen, politische Überprüfungen und Begründungen für Praktiken zu entwickeln. Die medizinische Forschung ist auch ein Bereich der Sexualwissenschaft; sexuelle Gesundheit, Geschlechtskrankheiten und sexuelle Funktionsstörungen sind die üblichen Bereiche der klinischen Forschung. Die Studien sind umfangreich und vielfältig, führen aber zu verbesserten Methoden für die Behandlung von Problemen im Zusammenhang mit der Sexualität.

Aufklärung ist ein wichtiger Aspekt der Sexologie und umfasst sowohl die Erziehung als auch die Förderung. Gesundheitserziehung kann als Lernerfahrung definiert werden, die gesundheitsfördernde Handlungen erleichtern soll. Gesundheitsförderung kann definiert werden als erzieherische, umweltbezogene, ökologische und strategisch angepasste Ansätze zur positiven Beeinflussung des Einzelnen und seiner Umgebung, einschließlich Familien, sozialer Netze, Organisationen und öffentlicher politischer Rahmenbedingungen. Das Spektrum der Sexualerziehung reicht von Programmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis hin zu spezieller Bildung für Menschen mit geistigen Behinderungen. Die Sexualerziehung und -förderung zielt darauf ab, den Menschen Informationen und Verhaltenskompetenzen zu vermitteln, die es ihnen ermöglichen, sexuelle Probleme zu vermeiden und sexuelles Wohlbefinden zu erreichen.
Die Sexualtherapie ist eine beliebte Behandlungsform für Menschen, die eine Medikalisierung ihrer sexuellen Probleme vermeiden wollen. Die Öffentlichkeit ist an neuen Wegen interessiert, um die sexuelle Leistungsfähigkeit und die Beziehungen zu verbessern und häufige sexuelle Funktionsstörungen zu beheben. Sexuelle Funktionsstörungen sind definiert als Probleme, die die Fähigkeit einer Person beeinträchtigen, sich auf sexuelle Interaktionen einzulassen, sie zu genießen oder Befriedigung daraus zu ziehen. Die meisten Therapeuten wenden eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie, Psychotherapie und systemischen Interventionen an, darunter Sexualerziehung, Kommunikationstraining, Selbstbehauptungsübungen, Techniken zur Körperwahrnehmung und Sinnlichkeitsübungen. Die Sexualtherapie kann sich auch auf die Aufarbeitung früherer Traumata, sexuellen Missbrauchs oder negativer Ereignisse konzentrieren, die möglicherweise zu aktuellen sexuellen Problemen beitragen oder diese aufrechterhalten.
Ein Sexualtherapeut muss sehr anpassungsfähig und äußerst aufgeschlossen sein und sich wohl fühlen, wenn es um die Verwendung von Begriffen geht, die als anschaulich gelten und mit denen sich ein Klient leichter identifizieren kann, wie z. B. wichsen, ficken, Schwanz und Muschi im Vergleich zu Masturbation, Geschlechtsverkehr, Penis und Vagina. Ein Sexologe muss in der Lage sein, detailliert über sehr explizite sexuelle Handlungen zu sprechen, da es auch eine sehr dunkle Seite der Sexualität gibt: sexuelle Übergriffe, Missbrauch, Pädophilie, Inzest und Bestialität. Der Sexologe muss sich von seinen eigenen Glaubenssystemen und persönlichen Meinungen lösen, um bestimmte Klienten zu behandeln, was eine große Herausforderung sein kann. Um sich voll und ganz auf einen Klienten einzulassen, Vertrauen zu gewinnen und eine enge Beziehung aufzubauen, muss man in der Lage sein, solche Techniken anzuwenden, was Entschlossenheit und Charakterstärke erfordert.

Im Gegensatz zur Dunkelheit gibt es in der Sexologie auch Licht. Den Menschen beizubringen, wie sie ein befriedigendes, sicheres und erfülltes Sexualleben führen können, ihnen beizubringen, wie sie zum ersten Mal in ihrem Leben zum Orgasmus kommen können, sexuelle Funktionsstörungen zu beheben, Sinnlichkeit einzuführen, die Intimität in Beziehungen wiederherzustellen und die sexuelle Leistungsfähigkeit zu steigern – all das sind äußerst positive und lohnende Aspekte des Berufs.

Fazit

Die Sexologie deckt ein breites Spektrum an Theorie und Praxis ab, und Sexologen integrieren weitreichende Methoden, Konzepte und Interventionen in ihre Arbeit. Das Studium der Sexualität ist unglaublich vielfältig und entwickelt sich rasch weiter. Es handelt sich um ein äußerst multidisziplinäres Gebiet, in dem Wissenschaftler, Forscher, Pädagogen und Kliniker in vielen Bereichen der Wissenschaft, des öffentlichen Gesundheitswesens und der Medizin sowie im sozialen, kulturellen und politischen Bereich tätig sind. Sex und Sexualität spielen eine enorme Rolle in der Gesellschaft, sie prägen uns als Individuen und Paare, wie wir uns selbst und andere sehen und wie unsere Moral, Ethik und Werte geformt werden. Situationen wie Trauma, Missbrauch, sexuelle Dysfunktion, Orientierungs- und Geschlechterverwirrung und viele andere sexuelle Schwierigkeiten können das emotionale, psychologische und körperliche Wohlbefinden eines Menschen stark beeinträchtigen. Diese Probleme können nun dank des Engagements und der Hingabe von Sexologen überwunden werden.

Lemmer J. Einführung in die Sexologie: Zwischen und jenseits der Pole. Pretoria, South Africa: Sexology SA. 2005.
King BM, Regan P. Human sexuality today. 8th Ed. Upper Saddle River, N.J: Prentice Hall. 2012.
Hoenig J. Dramatis personae: Ausgewählte biographische Skizzen von Pionieren der Sexualwissenschaft im 19. Jahrhundert. In J. Money & H. Musaph (Eds.), Handbook of Sexology. Amsterdam: Elsevier. 1977.
Erwin E. The Freud encyclopedia: Theory, therapy, and culture. New York, NY: Routledge. 2002.
Westheimer R. Dr Ruth’s encyclopedia of sex. Shaftesbury, Dorset: Element. 1996.
Masters W, Johnson VE. Human sexual inadequacy. Boston: Little, Brown & Co. 1970.
Sanders SA, Reinisch JM. Would you say you „had sex“ if? JAMA. 1999;281(3):275-77.
O’Sullivan LF, Byers ES, McCormick NB. Notes from the field: Forschungstraining für Sexualwissenschaftler. J Sex Educ Ther. 1998;23(1):1.
Schaalma H, Abraham C, Gillmore M, Kok G. Sex education as health promotion: what does it take? Arch Sex Behav. 2004;33(3):259-69.
Barak A, Fisher WA. Auf dem Weg zu einem internetgestützten, theoretisch fundierten, innovativen Ansatz für die Sexualerziehung. J Sex Res. 2001;38(4):324-32.
Pinchera A, Jannini EA,Lenzi A. Research and academic education in medical sexology. J Endocrinol Invest. 2003;26(3):13-14.
Hogan D. Sexual dysfunctions. In Walker CE (ed). New York, NY: Business Media. 1991.
Leiblum S. Prinzipien und Praxis der Sexualtherapie, 4th Ed. New York, NY: The Guilford Press. 2006.
Brooks-Gordon B, Gelsthorpe L, Johnson MH, Bainham A (eds). Sexuality repositioned: Diversity and the law. Oxford; Portland, Or: Hart. 2004.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.