Streptokokken-Bakteriämie der Gruppe A bei Säuglingen: Eine Studie aus einem tertiären Gesundheitszentrum in Nordindien Singla N, Rani H, Kaistha N, Guglani V, Chander J

Abstract

Es gibt nur wenige Daten über invasive Gruppe-A-Streptokokken-Erkrankungen bei Kindern, insbesondere in Entwicklungsländern. Da eine Infektion bei Kindern einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann, können eine frühzeitige Diagnose und eine rasche Behandlung viel zu einem positiven therapeutischen Ergebnis beitragen. In der vorliegenden Studie wurde bei 3 Säuglingen eine Bakteriämie aufgrund von Streptokokken der Gruppe A festgestellt, da ihre Blutkulturen positiv waren. Es ist notwendig, das Bewusstsein der Kliniker für die Prävalenz von GAS-Infektionen zu schärfen. Die zunehmende Isolierung von Organismen im Zeitalter der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel macht eine regelmäßige epidemiologische Überwachung invasiver GAS-Infektionen auch in Entwicklungsländern erforderlich.

Schlüsselwörter: Bakteriämie, Streptokokken der Gruppe A, Säugling, Indien, Streptococcus pyogenes

Wie wird dieser Artikel zitiert:
Singla N, Rani H, Kaistha N, Guglani V, Chander J. Group A Streptococcus bacteremia among infants: Eine Studie aus einem tertiären Gesundheitszentrum in Nordindien. Ann Trop Med Public Health 2012;5:613-4

How to cite this URL:
Singla N, Rani H, Kaistha N, Guglani V, Chander J. Group A Streptococcus bacteremia among infants: A study from tertiary health care center of North India. Ann Trop Med Public Health 2012 ;5:613-4. Verfügbar unter: https://www.atmph.org/text.asp?2012/5/6/613/109319

Einleitung

Group A Streptococcus (GAS) oder Streptococcus pyogenes verursacht ein breites Spektrum von Infektionen, von relativ leichten Halsschmerzen und Hautinfektionen bis hin zu lebensbedrohlichen invasiven Erkrankungen. Invasive GAS-Infektionen sind definiert als eine Isolierung von GAS aus normalerweise sterilen anatomischen Stellen. Als Hauptrisikofaktoren für invasive Infektionen bei Kindern haben sich ein dichtes Gedränge im Haushalt, eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus und die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDS) erwiesen, zusammen mit Malignität, Immunsuppression und einem Alter von weniger als 2 Jahren. Es gibt nur wenige Daten über die klinischen Merkmale von Kindern mit einer invasiven GAS-Erkrankung und über die epidemiologischen und klinischen Merkmale dieser Erkrankung im Vergleich zu erwachsenen Patienten. Die anfängliche klinische Präsentation und die Laborbefunde sind bei Kindern oft unspezifisch, und der Anteil der Krankenhausaufenthalte ist höher als bei Erwachsenen. Eine rasche und zuverlässige Diagnose ist für ein positives therapeutisches Ergebnis notwendig; sie erfordert jedoch ein hohes Maß an Wissen und Misstrauen. Wir stellen hier eine Reihe von Fällen vor, in denen sich invasive GAS bei 3 Säuglingen als Bakteriämie präsentierten.

Fallberichte

Fall 1
Ein 2 Monate altes weibliches Kind wurde in der pädiatrischen Notaufnahme unserer Einrichtung mit Atemnot und Nahrungsverweigerung seit etwa 4 Stunden vorgestellt. Bei der Untersuchung wurde ein septischer Schock mit Hypothermie, Atemstillstand und oraler Candidose festgestellt. Sie wurde mit intravenöser Flüssigkeit, Dopamin und antimikrobiellen Mitteln (Ceftriaxon und Amikacin zusammen mit Fluconazol) behandelt. Ihr Zustand verschlechterte sich jedoch trotz kardiopulmonaler Wiederbelebung. Sie konnte nicht wiederbelebt werden und wurde nach etwa 8 Stunden nach der Einlieferung für tot erklärt. Die pränatale Anamnese der Mutter war normal, und das Kind kam ohne Komplikationen normal zur Welt. Sie wurde ausschließlich gestillt und war mit BCG geimpft worden. Ihre Natrium-, Kalium-, Harnstoff- und Kreatininwerte betrugen 123 mEq/L, 4,8 mEq/L, 60 mg/dl bzw. 1,2 mg/dl. In der Blutkultur des Kindes wurde nach 48 Stunden Inkubation Streptococcus pyogenes nachgewiesen.
Fall 2
Ein 8 Monate altes weibliches Kind wurde mit der Hauptbeschwerde multipler kleiner Abszesse am ganzen Körper in den letzten 15 Tagen und Fieber seit 10 Tagen aufgenommen. Außerdem fand sich ein 2 ˜ 2 cm großes Geschwür mit unregelmäßigen Rändern und Eiterausfluss in der rechten Axillarregion. Bei ihr wurde eine Septikämie mit multiplen Abszessen diagnostiziert. Sie erhielt intravenös Cloxacillin 300 mg 6 Stunden lang und Amikacin 90 mg einmal täglich. In der Blutkultur wurde nach 48 Stunden Inkubation S. pyogenes nachgewiesen. In der Eiterkultur aus dem Hautabszess wurde jedoch Staphylococcus aureus nachgewiesen. Der Patient wurde mit demselben Antibiotikaregime behandelt und konnte am 12. Tag nach der Aufnahme entlassen werden.
Fall 3
Ein einjähriges männliches Kind wurde in die pädiatrische Notaufnahme eingeliefert und klagte über Fieber, das seit 7 Tagen anhielt, sowie über eine seit 2 Tagen zunehmende abdominelle Blähung. Er litt unter akutem Nierenversagen (ARF), da die Eltern angaben, dass er in den letzten 24 Stunden keinen Urin abgesetzt hatte. Bei der Untersuchung wurden mehrere kleine Pusteln am Körper festgestellt, die einer Pyodermie ähnelten. Die klinische Diagnose lautete Septikämie mit Lungenentzündung und ARF. Bei der Aufnahme befand sich das Kind in Atemnot. Es erhielt Sauerstoff über eine Maske sowie intravenös Flüssigkeit, Dopamin, Cloxacillin und Ceftriaxon. Es wurde eine kardio-pulmonale Reanimation durchgeführt, aber das Kind verstarb innerhalb einer Stunde nach der Aufnahme. Später wuchs in der Blutkultur nach 48 Stunden Inkubation S. pyogenes.

Diskussion

Das Spektrum der akuten invasiven GAS-Erkrankungen umfasst Erysipel, Zellulitis, Endometritis, Pneumonie, Septikämie, Meningitis, nekrotisierende Fasziitis und Streptokokken-Toxik-Schock-Syndrom (STTS). Ein eindeutiger Fall von Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom ist gekennzeichnet durch die Isolierung von Streptokokken der Gruppe A von einer beliebigen sterilen Stelle, Hypotonie und das Vorhandensein von zwei oder mehr der folgenden klinischen oder Laborbefunde: Niereninsuffizienz, Koagulopathie, Leberanomalien, akutes Atemnotsyndrom, ausgedehnte Gewebsnekrosen und erythematöser Ausschlag. Es wurde berichtet, dass diese Entität mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität (mehr als 60 %) verbunden ist. Bei diesen 3 Kindern handelte es sich um ein wahrscheinliches STSS (PSTSS).
Die 2005 von der WHO veröffentlichten Daten zur aktuellen Belastung durch Gruppe-A-Streptokokken-Erkrankungen besagen eindeutig, dass die Inzidenz der GAS-Bakteriämie bei Neugeborenen 0,55 pro 1.000 Lebendgeburten und bei Kindern unter 1 Jahr, 2 Jahren und 5 Jahren 96, 63 bzw. 29 pro 100.000 beträgt, wobei GAS die dritthäufigste Ursache für neonatale Bakteriämie und die häufigste Ursache für Bakteriämie bei Säuglingen im Alter von 7-59 Tagen ist. Die Epidemiologie, Inzidenz und Mortalität invasiver GAS-Infektionen ist jedoch in Entwicklungsländern wie Indien nicht ausreichend untersucht worden. Trotz einer umfangreichen Suche in PubMed konnten wir nicht viele Daten über GAS-Bakteriämie in Indien finden, insbesondere in der pädiatrischen Altersgruppe.
Alle unsere Fälle hatten zwei gemeinsame Risikofaktoren: Sie waren weniger als 2 Jahre alt und stammten aus niedrigen sozioökonomischen Schichten. Diese drei Fälle unterstreichen, dass invasive GAS-Infektionen in der Altersgruppe der Säuglinge auftreten können, einen fulminanten, schnell fortschreitenden Verlauf nehmen und mit einer hohen Sterblichkeit verbunden sind (zwei der drei Fälle in dieser Serie starben), wie auch von anderen Fachleuten berichtet wurde. Routinemäßig werden bei Säuglingen gramnegative Organismen wie Escherichia coli oder manchmal auch grampositive Organismen wie S. aureus als Erreger einer Bakteriämie angenommen. Es besteht die Notwendigkeit, das Bewusstsein der Kliniker für die Prävalenz von GAS-Infektionen zu schärfen.
Streptokokken der Gruppe A gelten als empfindliche Organismen. Alle 3 Stämme in der vorliegenden Serie waren empfindlich gegenüber Penicillin, Amoxycillin, Cephalexin, Erythromycin und Ciprofloxacin. Traditionell gilt Penicillin als das Mittel der Wahl. Es gibt jedoch Berichte über das Auftreten von Resistenzen bei GAS gegen verschiedene Antibiotikagruppen aus der ganzen Welt, einschließlich Indien. Neuere Ansätze wie die Verwendung von Clindamycin und intravenösem Immunglobulin haben sich als nützlich erwiesen und können sowohl die Morbidität als auch die Mortalität erheblich verringern. Clindamycin unterdrückt die Produktion von GAS-Virulenzproteinen, fördert deren Phagozytose durch Neutrophile und ist im Vergleich zu Penicillinen immun gegen den Inokulum-Effekt.
Wir kommen zu dem Schluss, dass ein hoher Verdachtsindex für die rechtzeitige Erkennung und Behandlung einer GAS-Bakteriämie unerlässlich ist. Ferner wird betont, dass die zunehmende Inzidenz, die lebensbedrohliche Natur und das Auftreten von Resistenzen gegen antimikrobielle Medikamente eine regelmäßige epidemiologische Überwachung invasiver GAS auch in Entwicklungsländern erforderlich machen.

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